Ich und die Wirklichkeit (Prag)
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Es geht voran(1 Monat)

Prag - Teil Eins - scheint sich dem Ende zuzuneigen. Ich bin in einem Monat aus meiner Finanzmisere (soo schlimm war es auch nicht) raus, was ich mir eigentlich für 6 Monate vorgenommen hatte. Die letzte 40-Stunden-Woche, dann kommt nur noch Halbzeitarbeit, muß allerdings nochmal kalkulieren, wann kündigen am besten ist. Auch die Arbeit selber wird immer besser handhabbar, heißt letzte Nachtschicht 1 h arbeiten, 3 h Simpsons und Futurama kucken und 4 Stunden schlafen, gibt eben doch noch viel zu lernen von der arbeitenden Bevölkerung.

Letzten Mittwoch endlich wieder Sport, nach einem halben Jahr Pause. Mein Körper fühlt sich immer noch an wie ein nasser Sack, aber zumindest mental fühl ich mich schon besser. Irritiert war ich schon, nach der Rieseninternetpräsenz (auch ein bißchen gruselig - naja hab mich trotzdem reingewagt und immer noch allemal besser als die ganzen Fitnessstudios die hier en masse rumstehen) noch nichteinmal draußen ein Schild zu finden, auf dem drauf stand, was auch drin war, nur irgendwas mit Training und was auf Tschechisch(mich bitte nich daran erinnern). Auch die Hausnummer im Internet existiert nicht (Falls mir irgendeine Person Starostrašnicka 1-32 zeigen könnte wär ich sehr dankbar). Nachdem ich ne düstere Kellertreppe runtergestolpert bin und dreimal an ne Art Pappmacheetür geklopft habe, öffnet mir irgendwer, der mir in holprigen Englisch erklärt, dass ich mich umziehen kann und wir können dann mit dem Training anfangen. (Er weiß bis heute noch nicht meinen Namen) Der Tag danach hat mit ein zutiefst heroisches Gefühl verliehen und innerlich hab ich über jedes Ziehen in Schulter und Nacken jubiliert, äußerlich muß das jämmerlich ausgesehen haben.

Sonst noch so eine Art Regieanweisung fürs Bloglesen: Ich hab immer noch Vorbehalte, mach trotzdem erstmal weiter. Zudem ist das Blog nicht mein Tagebuch, also bitte nicht so lesen und nicht zu persönlich, ist in der Tat eher ein Literaturversuch. Und eben in einer Grundstimmung. (fast immer allein, mitten in der Nacht.), sonst muß ich stalinwerke schon recht geben. Ein Thema gibts auch, das es hier nie nicht geben wird. Wer sich dafür interessiert, kann gerne mal ne einschlägige deutsche Seite mit .cz am Ende probieren. Wenns nicht pathetisch genug ist, habt ihr was falsch gemacht.

2.10.06 03:34


Keine Atempause

dank Vollarbeitswoche. Hab letzte Woche 64 Stunden auf Arbeit verbracht. Eigentlich finde ich das absurd und für mich nicht zu rechtfertigen, aber aus einem Selbstzerstörungstrieb, verbunden mit etwas Langeweile und ohne wirkliche Ausrede hier mehr oder weniger allein Prag, ist das eben so passiert. Heißt ich hab mich hier noch nicht eingerichtet, erstmal einrichten lassen. Das ist allerdings zumindest erstmal ein Standpunkt, von dem aus ich mich bewegen kann - mein Sein bestimmen als Ablehnung dessen, was ich bin. Vielleicht wär das auch anders gegangen, aus einer Art ausgehaltenem Schwebezustand heraus, ohne wirkliches Ziel, nur mit der unwirklichen, hier unendlich weit entfernten Aufgabe ein Studium abzuschließen.

Ich hätte wesentlich sinnvollere Sachen hier zu tun, ganz abgesehen von den wirklich angenehmen Seiten des Lebens (Kino, Bier, Schokolade, Musik, Theater, ...), wartet immer noch ein Artikel über eine Woche Frankreich, 2 1/2 Protokolle fürs Studium, zwei Bücher, die ich bis Ende des Monats eigentlich noch gelesen haben wollte, etc., doch aus Bequemlichkeit gehe ich arbeiten.

Was mich erfreut ist der heimliche Plan gekündigt zu werden, aber auch das wird nicht passieren, denn ich werde gebraucht, am besten sieben Tage in der Woche, für zwei Schichten, wenn ich wollte, könnte ich das ohne Probleme arbeiten (würde hundertundzwölf Stunden machen).

Die Arbeit kann ich fast mögen, ist bei mir etwa gleichwertig mit dem Unterhaltungswert einer Talk-Show (rangiert im unteren drittel bei mir). Nachtschichten allein oder zu zweit sind super, viel Platz zum rumblödeln und Unsinn machen, so die ganz streng verbotenen Sachen, wie Biertrinken und Chipsessen und Rauchen etc. (dafür hasse ich blogs) Heißt alles ist gut, wenn das Management weg ist und ich vor allem keine Morgenschicht machen muß. Ich hasse Morgenarbeitende! Sie mögen mich auch nicht besonders, glaub ich.

Meine Eltern waren so großzügig mir noch hundert um ihr Kind in der Fremde besorgte Euro zukommen zu lassen. Ungünstigerweise tatsächlich Euro, so daß ich zwei Stunden damit verschwendet hab sie zu einem ziemlich unbefriedigenden Wechselkurs umzutauschen (1:27,3). Dabei hatte ich alle meine Hoffnungen in Ceska Sporitelka gesetzt, dort noch nach Ziehen einer Nummer eine halbe Stunde gewartet und hätte genau so gut in eine erstbeste Wechselstube gehen können. Grrr.

Vorgestern gabs den ersten Schock: bin mittlerweile schon 4 Wochen hier, verbunden mit etwas Heimweh, aber was solls, hab nicht zu große Lust darüber nachzudenken und dann ist es auch egal.

Zu Prag selbst: Metrofahren ist großer Blödsinn, erstens ist Schwarzfahren ziemlich riskant und zweitens sieht man gar nichts und drittens ist es auch kaum schneller als Bus oder Straßenbahn. Versuch also den Bus zur Arbeit und hab bis jetzt auf ein 3-Monatsticket verzichtet, mit 40 mal Schwarzfahren sollte ich die Strafgebühr wieder rein haben, sind so ca. 18 Euro Strafgebühr, die ich dann in Bar zahlen müßte und die Sache ist erledigt. Mein Privatsport, für das Minierfolgserlebnis am Morgen und am Abend.

27.9.06 13:22


Wahre Arbeit wahrer Lohn

3 Tage Arbeit und 2 Tage Internetprobleme erklären das Blogloch. 8.5 halb Stunden (eine halbe Stunde unbezahlte Pause) + jeden Tag 90 Minuten Fahren lassen doch erstaunlich wenig Zeit. Dafür ist es relativ entspannt (hab in den letzten 3 Tagen so ca. 10 h Poker gespielt), nur Sprache is confusing (Ständig simultan von Deutsch nach Englisch und Tschechisch um mich herum). Sieht wirklich so aus, als würden sie uns dringend brauchen, zumindest ist deren support auf deutsch bis jetzt noch sehr witzig zu lesen. Hoffe da ist noch was rauszuholen, aber das mit dem Klassenkampf ... dafür hab ich entdeckt, dass Jeunesse Apatride ihre Alben zum download bereit gestellt haben. Viel Spaß mit unité, combat et vicoire (Großer Pathos ; ).

Sonst Sonntag Lesetag, in Prag 6 mit großartigem Blick über die Stadt, unterhalb von Strahov Stadion, wo es eines der absurdesten Monumente gibt die ich bisher in Prag gesehen hab (und es gibt eine Menge davon hier, z.Bsp eine überdimensionierte Bahnhofsuhr, etc. ...): zwei riesige Betonsäulen und ein großer Platz. Das wars. Und eine winzige Erklärung dazu in Tschechisch, aber da ich nicht beim Wörterbuchblättern festwachsen wollte - keine Ahnung. Wenn ich endlich einen Fotoapparat habe auch ein paar Bilder, aber das kann noch dauern (mindestens bis zum ersten Monatsgehalt, was zeitigstens in einem Monat kommt).

Nochmal Monumente: Gleich hinter dem jüdischen Friedhof (oh, jede Menge Friedhof vor meiner Haustür) gibts auch einen kleinen für die alliierten Gefallenen und einen großartig inszenierten für die Sowjetischen. Am besten zu genießen mit Abend-, besser noch Morgensonne. Gleich hinter der Art Gartenlaube für die Allies, streckt ein übergroßer Sowjetsoldat sein Sturmgewehr in die Luft, Rücken an Rücken mit seinem Genossen mit Maschienengewehr. Dann nochmal Gräber, dann großer roter Stern, dann noch ein Denkmal, dann nochmal Gräber, dann noch ein Gedenkstein, dann nochmal Gräber, dann noch ein Denkmal und dann - Schluss. Wie gesagt, bei Gelegenheit Bilder.

13.9.06 22:40


Angefangen

Jetzt doch noch ein Blog. Wenn niemand zusieht: Wozu hier rumleben?

Shopping in Anděl, gewohnt schrecklich, aber ich bin ein wenig zu bequem um mir alle Geschaefte einzeln zusammenzuklamuesern, die im Zentrum dann auch noch ziemlich teuer sind. Privater Sicherheitsheitsdienst verfolgt dich in jedem Shop, wie Gespenster, alt, heruntergekommen, verbraucht. Hab zweimal fast welche umgerannt. Wem sollen die Angst machen? Schon klar! Aber die Jungs (ausschliesslich) von der městská policie sind wesentlich eindrucksvoller.

Was ist das fuer eine Stadt, in der sich die Menschen an der Rolltreppe anstellen, nur um sich brav auf die rechte Seite der eskadra zu stellen und regungslos warten, bis sie sie am anderen Ende wieder runterschmeisst? Was ist das fuer eine Stadt, in der in einer vollbesezten Metro, eine fallende Stecknadel zu hoehren waer? Zugegeben, gilt das nur wenn die Touristen herausgerechnet werden - vielleicht schiebe ich alles Uebel auch nur auf sie, aber selbst wenn: die Prager ebenso.

Sonst bin ich ziemlich muede, was an allem und meiner schlechten Ernaehrung liegt. Ladenschlussgesetz gibts hier nicht, in 15 Minuten bin ich im naechsten Supermarkt, der 24/7 aufhat. Nicht alles superbillig, besonders die Wohnungspreise explodieren (der Rest der Stadt auch), aber noch billiger als 'zu Hause' (weiss wirklich nicht wo das sein soll). Soll heissen ich rede mir die ganze Zeit ein, ich kann mir gleich noch was tolles zu essen machen, aber alleine macht das keinen Spass.

Mein Mitbewohner ist fast nie da, arbeitet auch fast 24/7, heisst von 8-22 im Tourismusburo, mit 2 Tagen frei alle 3 Wochen (aber nicht am Wochenende!). Ich selbst fang Montag an, 20h in der Woche, bezahlt ziemlich genau nach prager Durchschnittslohn, was heisst, das ich ohne Ausbildung, nur mit Deutsch als Muttersprache und mehr oder weniger fluessigem Englisch, mehr verdienen werde als ca. 65% der PragerInnen. Auch in der Hinsicht explodiert Prag: die Arbeitslosenquote liegt bei 3%, einen Job hier zu finden dauert, wenn man einigermassen qualifiziert ist 2 Wochen.

8.9.06 20:34





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